Hmmmm... Kuchen! Wir stehen
vor dem Supermarktregal und überlegen, welcher am besten
zu unser prall gefüllten Fresstasche passt. Wenn man
250 km Autofahrt bis zum Fluss vor sich hat, muss das Kulinarische
stimmen. Schließlich entscheiden wir uns für den
braunen, weil der so toll nach viel Schokolade aussieht. Pegelstand:
Null - neun - null.
Die restliche Zeit vergeht
schnell - Leute zusammentrommeln, Fahrt organisieren und so
weiter. Telefonpegel abhören. Alle Flussalternativen
zur Prüm führen zu wenig Wasser, um uns zu reizen.
Die Prüm läuft ab 60 cm. Die Entscheidung steht:
wir fahren nach Irrel! Pegelstand: eins - eins - vier.
Es ist noch dunkel, doch der
Dachträger ist bereits montiert und die Boote folgen.
Nur der frühe Vogel fängt den Wurm! (stöhn)
Immerhin sagt der Wetterbericht nach tagelangen Regenfällen
für heute Trockenheit und - für Anfang Januar -
angenehm warme Temperaturen von 10 Grad voraus. Die ersten
Leute sammeln wir dann in Neukirchen-Vluyn auf, wo sie bereits
mit einem breiten Grinsen stehen, denn sie haben eben noch
mal den Wasserstand abgehört. Pegelstand: eins - drei
- acht.
Am Parkplatz an den Wasserfällen
treffen wir alle zusammen. Fünfzehn heiße Paddler
rennen Richtung Schlucht. Auf der Fahrt habe ich vom "braunen
Inferno" gewitzelt, das uns bei Hochwasser erwarten würde.
Die Mädels fanden das aber gar nicht so witzig. Bei Blick
in die Schlucht wird dann ganz schnell klar: Heute ist ein
besonderer Tag. Ich persönlich habe die Fälle noch
nie bei so viel Wasser erlebt. Tatsächlich donnern braune
Wassermassen pilzend, pumpend und vor allem wahnsinnig schnell
durch die enge Schlucht. Der sonst eher technische Abschnitt
ist zu einer Wuchtwasser-Autobahn geworden und ab und zu treiben
Baumstämme hindurch. Einer davon hat leider die Durchfahrt
des letzten, besonders steilen Kataraktes ganz am Ende verlegt.
Nur eine schmale, gerade einmal einen Meter breite Lücke
bleibt auf beiden Seiten, doch leider zieht die Strömung
wuchtig in die Mitte. Wer dort unter dem Baum gerät,
der hat wenig Spaß. Ein kleiner Fahrfehler, eine zu
langsame Rolle oder Ähnliches würde sofort schwerste
Konsequenzen nach sich ziehen. Also ist für die meisten
dieser Abschnitt als "unfahrbar" eingestuft, da
auch unsere Versuche, den Baum zu entfernen, kläglich
scheitern. Pegelstand: eins - vier - sechs.
Trotzdem steigen wir natürlich
ins Boot - schließlich sind wir zum Paddeln hier! Ramona
braucht Hilfe beim Einsteigen und Anna (noch oben auf dem
schlammigen Trampelpfad) überschlägt sich vor Hilfsbereitschaft,
um schnell bei ihr zu sein. Genauer gesagt, sie purzelt mit
Boot auf der Schulter und Paddel in der Hand die Schlucht
herunter, bis sie vor Ramona zum Liegen kommt. Doch tapfere
Mädchen kennen keinen Schmerz, und zehn Minuten später
sitzt sie trotzdem im Boot. Stefan beschreibt den Eingangskatarakt
noch einer Probebefahrung so: "Also ich hab da ziemlich
große Augen bekommen!" Dazu muss man wissen, dass
er zwar ein großer Kerl ist, aber genau deswegen auch
meist keine großen Augen macht. Die anderen schlucken.
Eine Gruppe unserer Paddelfreunde probiert's. Schon bei der
Anfahrt scheitern die ersten, wir bekommen bei sieben Fahrern
acht verschiedene Routen geboten, die alle mit einem tiefen
Schluck Wasser im finalen Loch enden. Nur einer kommt ohne
Rolle durch. "Schön, schön", versuche
ich meiner Stimme einen fröhlichen Klang zu geben, "da
haben wir jetzt aber genug gesehen. Auf ins Boot, wir machen's
besser!" Komischerweise müssen die Mädels noch
kurz überlegen, doch dann geben sie sich einen Ruck.
Wenig später sitzen wir bereits unterhalb des Kataraktes
im Kehrwasser und grinsen. Es hat super geklappt, alle haben
die Route getroffen. Bis vor die Brücke, die den Beginn
des Schlussteils der Schlucht anzeigt, fahren alle, vor bzw.
kurz hinter der Brücke steigen dann die meisten aus,
um dem hinterhältigen Baum am Ende zu entgehen. Wir sind
nur noch zu dritt, als wir in den Schlusskatarakt einfahren.
Das ehemalige "Treppenhaus" ist eine einzige, wuchtige
Rutsche, doch wir kommen gut klar, schlüpfen dahinter
ins Kehrwasser und fahren gemütlich am Baum vorbei. Abschließend
paddeln wir noch die Prüm einige Kilometer bis zur Mündung
und kommen dort in der Dämmerung an. Ein toller Tag geht
zu Ende und wir haben das Wildwasserjahr 2007 optimal begonnen.
Jetzt ist auch endlich Zeit für unseren Schokoladenkuchen.
Im Andenken an unseren Tag taufen wir ihn "braunes Inferno".
Hmmmm... lecker! Pegelstand: ist uns egal...
Autor: Christian Brune